| Im
Juli 1981 entschlossen sich einige Nordenhamer Bundesbahnbedienstete,
ihr Hobby „Modelleisenbahn“ gemeinsam zu pflegen und einen Verein
zu gründen mit dem Ziel, eine große Modelleisenbahnanlage zu
erstellen. Es wurde vorher festgelegt, dass die Spur HO und
das 2-Leiter-Gleichstrom-System Grundlage dieser Anlage sein
solle. Mit diesen Vorgaben lud die kleine Gruppe von Eisenbahnern
über die Zeitung zu einer Gründungsveranstaltung ein.
Am
Abend des 28. Juli 1981 kam es dann zur Gründung des Vereins
„BSW-Modelleisenbahnclub Nordenham“, der sofort aus 14 Mitgliedern
bestand. Als Vorsitzender wurde Herr Siegfried Cordes, als Stellvertreter
Herr Alexander Cleve gewählt.
Man
traf sich von nun an einmal im Monat in den Räumen der Güterabfertigung,
um die Planung für den Bau einer Anlage voranzutreiben, dabei
spielte in erster Linie die Beschaffung von Räumen eine Rolle.
Glücklicherweise
ergab sich Anfang des Jahres 1982 die Möglichkeit, eine ehemalige
Wohnung im ersten Stock des
Bahnhofsgebäude Nordenham zu übernehmen, die dann nach gründlicher
Renovierung ab Mai 1982 für den Bau der heute ca. 60m² großen
Modelleisenbahnanlage genutzt werden konnte. Ohne Hilfe von
Spenden durch das BSW, die Stadt Nordenham, sowie Spenden der
einzelnen Mitglieder wäre dieser schnelle Start damals nicht
möglich gewesen.
Schon
nach kurzer Bauzeit konnte der Öffentlichkeit die
Unterkonstruktion und die Trassenführung der neuen Anlage
gezeigt werden. Obgleich nur ein sehr bescheidener Fahrbetrieb
möglich war, sorgte die im Bau befindliche Anlage schon damals
für Erstaunen bei den vielen Besuchern während des ersten "Tag
der offenen Tür".
Unserem
Prinzip, das Entstehen einer großen Modelleisenbahnanlage zu
zeigen, sind wir treu geblieben. Immer wieder fanden Tage der
offenen Tür mit vielen Besuchern statt, zum Teil gemeinsam mit
Aktivitäten des Bahnhofs Nordenham, und bis heute kommen zu
unseren Fahrbetriebstagen viele treue Gäste, die den Weiterbau
der Anlage aufmerksam verfolgt haben und weiter verfolgen möchten.
Für
Kinder aus Kindergärten und Schulen haben wir im Laufe der Jahre
viele Vorführungen gemacht, aber auch andere Vereine oder Gruppen
von Feriengästen melden sich bei uns an, um sich die Modelleisenbahn
anzusehen.
Im
Laufe der Jahre entstand auf unserer Anlage ein ca. 5,5m langer
Bahnhofsbereich, in dem sich 2 zweigleisige Hauptstrecken treffen
und zu dem ein Bahnbetriebswerk gehört. Ferner sieht man eine
Trassenführung durch eine abwechselungsreiche Landschaft mit
hohen Bergen und Brücken, mit einem Stadtbereich und einem Dorf.
Eine lange „Paradestrecke“, wie wir sie nennen, ermöglicht es
dem Zuschauer, Züge auf freier Strecke zu sehen, bevor sie wieder
im Tunnel verschwinden. Zwei große
Schattenbahnhöfe sorgen für einen abwechslungsreichen Zugverkehr.
Gefahren
wird im Blockstreckenprinzip, das über selbst entwickelte, elektronische
Gleisbesetztmeldungen mit einem sanften Abbremsen und Anfahren
gesteuert wird. Es werden keine Kontakte verwendet, die Achsen
der Fahrzeuge melden den Gleisabschnitt besetzt. Auch Fahrstraßen
werden elektronisch gesteuert.
Zusätzlich
zur Spur H0 wurde im Laufe der Zeit die Spur H0m in die Anlage
integriert. Die Schmalspurfahrzeuge verkehren vom Bahnhofsvorplatz
aus zunächst im Straßenbereich, um dann durch Tunnel und an
Berghängen entlang ein hochgelegenes Bergdorf zu erreichen.
Auch für diese Bahn wurde ein Schattenbahnhof geschaffen, um
den Zugverkehr abwechslungsreich gestalten zu können. Zur Zeit
wird an der Installation einer digitalen Steuerung gearbeitet,
um in Zukunft diesen Bereich mit einem elektronischen Fahrplan
über einen Computer zu steuern. Für den Besucher besteht
dann die Möglichkeit den Fahrbetrieb über einen zusätzlichen
Monitor zu verfolgen.
Nachträglich
in die vorhandenen Straßen eingebaut wurde das
Faller Car System, so dass auch eine Reihe von Autos, Bussen
und LKW`s auf den Straßen der Modellbahn fahren, was die Besucher
immer wieder fasziniert.
An
Gebäuden findet man bei uns sowohl die gängigen Bausätze der
Modellbahnfirmen, als auch Nordenhamer Gebäude, wie den Wasserturm,
die Post, das alte Rathaus, die ein Clubmitglied exakt im Maßstab
1:87 nachbaute. Der
Bahnhof Eichenberg auf unserer Anlage ist ebenfalls ein
solcher Eigenbau, der nach Fotos vom Vorbild in den Modellbahnmaßstab
übertragen wurde.
Viele
Details lassen sich bei längerem, intensiven Betrachten auf
der Anlage finden, wie z.B. eine Hochzeitsgesellschaft an der
Kirche, die Müllabfuhr, die Bauarbeiter beim Hausbau, eine Wandergruppe
im Bergwald, die Enten auf dem Teich, die Bier-
und Grillpause in der Kleingartenanlage und anderes mehr.
Wir
haben uns nicht auf die Darstellung einer bestimmte Epoche festgelegt,
sondern lassen uns bei der Gestaltung der Anlage und der Auswahl
von Fahrzeugen von den Wünschen und Bedürfnissen der Clubmitglieder
leiten.
Dieses
Prinzip ist sicherlich auch mit ein Grund dafür, dass
im Laufe der Jahre durchschnittlich eine Mitgliederzahl von
ca. 25 Mitgliedern gehalten werden konnte, und viele von uns
dem Club schon fast 20 Jahre angehören. Jedes Mitglied soll
sich in unserer Gemeinschaft angenommen fühlen und soll seine
Anregungen einbringen können.
Auch
unser Vereinsleben kann als Grund für die relativ konstante
Mitgliedschaft angesehen werden. Es besteht schließlich nicht
nur aus der Arbeit an der Modelleisenbahn.
Geselligkeit
im Aufenthaltsraum, Grünkohlessen, Grillfeste im Garten von
Clubmitgliedern, Fahrten zu anderen Modelleisenbahnvereinen,
Fahrten mit Museumseisenbahnen und die Tage der offenen Tür
am 2. Adventswochenende sind für uns zu festen Bestandteilen
im Jahresablauf geworden. Zu unseren Veranstaltungen sind die
Ehe- oder Lebenspartner, bei Jugendlichen auch die Eltern immer
eingeladen und sie sind auch fast immer dabei.
Über
die vielen Jahre hinweg ist das Leben und die Arbeit im Club
überwiegend aus der Gemeinschaft heraus entwickelt worden, selten
vorbestimmt durch einzelne Vorstandsmitglieder. Entscheidungen
sind überwiegend mit großen Mehrheiten gefällt worden. Leider
waren in den nunmehr zwanzig Jahren sieben Todesfälle zu beklagen,
die auch zu Umbesetzungen im Vorstand führten, dennoch aber
blieb der Stil erhalten, aus dem Willen der Gemeinschaft heraus
die Geschicke des Vereins zu leiten und zu führen.
Während
Alexander Cleve sich 1983 aus dem Vorstand zurückzog, aber auch
noch immer dem Club angehört, blieb Siegfried Cordes bis zu
seinem Tode 1993 Vorsitzender des Vereins. Herr Helmut Reins,
ebenfalls Gründungsmitglied, übernahm 1983 den Posten des Stellvertreters
und wurde 1993 zum Vorsitzenden gewählt. Stellvertreter ist
seitdem Herr Carsten Cordes, der dem Club schon als Jugendlicher
angehörte.
Wir
bedanken uns auf diesem Wege bei allen Verantwortlichen der
Stiftung Bahn-Sozialwerk, sei es in der Ortstelle oder im Bezirk,
ganz besonders jedoch bei Herrn Hochheiden und Herrn Waterholter
für die jahrelange Betreuung und hoffen, dass wir noch lange
als „BSW-Modelleisenbahnclub Nordenham - Freizeitgruppe der
Stiftung Bahn-Sozialwerk“ in unseren Räumen weiterarbeiten können,
dass uns weiterhin ein gutes Vereinsleben erhalten bleibt und
die Modelleisenbahnanlage nie ganz fertig wird. |